Dienstag, 23. Februar 2016

Ich quilte mir die Welt, wie sie mir gefällt... Free Motion (4)

Ihr Lieben,

Step by Step steigern wir den Schwierigkeitsgrad. Vielleicht habt ihr nach letzter Woche ein paar Runden mit dem Walkingfoot gedreht, die vorgestellten Änderungen bezüglich Stichlänge, Nadelart und Garn versucht und ein Gefühl für gerade Quiltlinien bekommen?

Heute probieren wir es dann mal free motion- also Freihandquilten. Mein Freihandquiltfuß sieht wie folgt aus:

Zusätzlich zu den Maschinenänderung im vergangenen Post müssen wir heute...
1. Den herkömmlichen Geradstichfuß abnehmen und an dessen Stelle tritt der Klarsichtquiltfuß/Stickfuß eurer Maschine- wie das bei eurer Maschine geht entnehmt ihr bitte der Bedienungsanweisung eurer Nähmaschine
2. Versenken wir heute zusätzlich den Untertransport eurer Nähmaschinen. Jetzt wird euer Quiltsandwich nicht mehr durch den Transport weitergeschoben, sondern lediglich durch die Bewegung eurer Hände.
3. Falls notwendig korrigiere ich die Fadenspannung herauf oder herunter, je nachdem wie die Stichbildung auf der Rückseite aussieht. Sie sollte ebenso gleichmäßig und sauber daher kommen wie auf der Quiltoberseite. 



 Ich bezeichne das Free Motion- Quilting gerne als Malen auf Stoff, wobei nicht der (Nadel) Stift sondern euer (Stoff) Blatt bewegt wird um ein Muster zu kreiieren.



Vorderseite- mit Verlaufgarn gequiltet, durch das Muster des Stoffes verschwinden manche Quiltlinien zusätzlich

auf der Quiltrückseite- durch den Unistoff tritt das Quilting in den Vordergrund
Zu Beginn rate ich euch erstmal ein Gefühl für die passende Geschwindigkeit eurer Armbewegungen und die Stichgeschwindigkeit zu bekommen. Probiert dazu auf mindestens 10- 12 inch großen Quiltsandwiches verschiedene Bewegungen und Geschwindigkeiten aus. Auch das Vlies bringt euer Quilting unterschiedlich stark zur Geltung.

Ebenfalls wichtig: Im Gegensatz zum herkömmlichen Nähen, wo mit einer Hand der Stoff leicht geführt wird, wird beim Freihandquilten der Quilt mit beiden Händen geführt. Die Hände dazu flach (ganze Handinnenfläche) rechts und links des Freihandquiltfußes auf die Arbeit legen und in gleichmäßigen Bewegungen vor, zurück, nach links und rechts bewegen.

Damit die Hände nicht wegrutschen gibt es sogenannte Quilthandschuhe... ich verwende eng anliegende und gut sitzende Damen- Gartenhandschuhe, die haben die gleiche Wirkung durch eine gummierte Oberfläche und nein ich habe davon kein Bild gemacht.

Um das oben gezeigte Blumenmuster zu quilten habe ich zuvor das Hexagon mit Hilfslinien unterteilt um dem Raum gleichmäßig zu quilten:


Im Folgenden habe ich in der Mitte mit dem Quilting begonnen und bin immer wieder zu diesem Ausgangspunkt zurück gekehrt. Siehe Bild zweit- Quiltrückseite.

Ebenfalls lassen sich mit Hilfe des Freihandquiltens Stoffmuster besonders in den Vordergrund heben, wie bei diesem Jansdotter- Druck. Dafür habe ich ungleichmäßige Kreise in die unterschiedlich großen Punkte gequiltet.


Auch die Farbe eures Quiltgarns ist kein unwichtiger Aspekt. Er entscheidet neben dem Quiltmuster sehr stark, ob das Quilting sich stark vom Hintergrund abhibt, oder wie im Jansdotter- Modell eher unauffällig und vielleicht erst auf den zweiten Blick ins Auge springt.

Ich habe mal meine MC- Quiltersmädels gefragt, wie sie ihre Maschinen auf das Free MotionQuilting vorbereiten, vielleicht ist ja euer Maschinchen dabei:

Bei der Pfaff 4.2 Quilt Expression:
"Wenn ich freihand quilte dann nehme ich den Fuß 6D und stelle an der Maschine folgende EInstellungen ein: dynamischer Sprungfußdruck, Feeddogs (Untertransport) versenken, Supreme Slider auflegen und los geht's! Eventuell die Fadenspannung anpassen, aber eigentlich macht die Maschine das automatisch, aber hin und wieder lockere ich die Oberfadenspannung manuell"

Bei der Bernina 560 und einer alten Pfaff sagt:
"Bei meiner Pfaff- ein ganz altes Stück muss nur der Transporteur versenkt werden und der Stickfuß für den Nähfuß ausgetauscht werden. Bei der Bernina wird dieses genauso gemacht , dies ist ein bisschen frimmeliger und der Transporteur wird nicht versenkt- aber damit kann ich gleichmäßige gerade Nähte und Quiltmuster erstellen ohne das der Oberstoff auf der Strecke bleibt."

Bei der Janome MC 4900 :
"Ich versenke meine Feeddogs nicht, sondern stelle die Stichlänge auf 0 zurück."

Sehr zu empfehlen, mit vielen hilfreichen Tipps möchte ich euch an dieser Stelle den Makerist-Kurs von Grete ans Herz legen.
Außerdem das tolle Buch von Angela Walters und Christa Watson "The ultimate Guide to Machine Quilting". Wenn ich meins wiederfinde stelle ich es euch gerne genauer vor.

Jetzt ist es wieder ein sehr langer und kompakter Post geworden. Ich hoffe ihr habt es aufmerksam bis hierher geschafft und die vorgestellten Infos und Bilder konnten euch das Thema verständlich erklären.

Liebe Grüße

euer Julchen 

hier findet ihr:

Teil 1 - erste Muster
Teil 2 - Quilting tools/ Muster übertragen
Teil 3 - Walking foot

verlinkt zu:
HOT, Creadienstag  

Kommentare:

  1. Hallo Judith, Diese Untersetzer sind wirklich eine wunderbare Idee, um Freihandquilten zu üben und gleichzeitig noch ein schönes benutzbares Ergebnis zu haben. Ich glaube, Meine Quiltprobestücke mache ich ab jetzt auch zu solchen Untersetzern allerdings ohne Handnähbinding ;)
    Wir könnten ja auch schreiben üben auf den Untersetzern z.B. die Buchstaben MCQ ....
    Viele Grüße, Martina

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    1. Unsere Martina wieder mit ihren kreativen und tollen Ideen...
      Liebe Judith! Alles super erklärt!
      Und ich sage wieder: ach wenn der Tag doch 48 Stunden hätte...

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    2. Tolle Erklärung.
      Mal wieder was zum Ausprobieren. ;-)

      Liebe Grüße
      BellaWolke

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  2. Schön dass Du den Untersetzer noch mal von Nahem zeigst. Das Quilting ist wirklich gut gelungen. Solche Arbeiten sind ja auch toll zum Üben.
    Mein Freinhandfuß sieht fast genauso aus, ist aber vorne noch offen.
    Ich weiß noch, wie ich ihn beim ersten Mal ohne Beschreibung anbauen wollte. Was hab ich gefummelt, bis alles saß!

    LG Mareike

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Ich freue mich über ein paar Worte von dir