Donnerstag, 20. April 2017

(Farbenspiel)- Freunde zu Besuch (Ingrid)

Heute darf ich das Farbenspiel mit einem Gastbeitrag bereichern und als kleines Gastgeschenk habe ich Judith ihr bläuliches rosa (selbst gemacht) mitgebracht.
Farben aus der Sicht einer Chemikerin … jetzt denkt sicher mehr als die Hälfte der Leser „Hilfe – das hab ich ja noch nie kapiert“. Aber nur Mut, bei mir steht das Erklären von Beobachtungen genauso im Fokus wie das Experimentieren, den großen Rest erspare ich euch lieber.


   
Zerlegt man natürliches Licht in seine Bestandteile, so erhält man ein Lichtspektrum des sichtbaren Lichtes. Diese Aufteilung beruht auf dem unterschiedlichen Energiegehalt der verschiedenen Lichtqualitäten.


Die Wirkungsweise aller Farbmittel beruht nun darauf, dass sie bestimmte Teile des sichtbaren Lichtspektrums  absorbieren, also quasi verschlucken können. Der Rest des Lichtspektrums wird dann reflektiert, also zurückgeworfen und von eurem Auge aufgenommen. Ihr seht also die Komplementärfarbe dazu.
Die Ursache dafür ist die chemische Grundstruktur eines Farbstoffmoleküls, in denen vereinfacht gesagt Elektronen durch Energie „angeregt“ werden; diese Energiedifferenz entspricht dann einem Bereich des Farbspektrums.


   
Farbstoffe sind Verbindungen, welche die Fähigkeit besitzen andere Materialien zu färben. Dazu müssen sie sich in einer anderen Substanz lösen lassen, wie z. B. in Wasser oder Öl. Sie werden vor allem zum Einfärben von Papier, Textilien und auch Leder verwendet. Ihre chemische Struktur, wie auch die Färbeprozesse sind sehr unterschiedlich und auch kompliziert zu verstehen. Aber sicher habt ihr alle schon einmal etwas von den Farben Purpur, Karminrot oder Indigo gehört.

pixabay, freigegeben zur Veröffentlichung

Purpur und anderes Rot

Purpur bezeichnet einen Farbton zwischen rot und blau (physikalisch violett) und wurde ursprünglich aus Purpurschnecken gewonnen. Er war der teuerste Farbstoff der Welt für Textilien und nur hohen Würdenträgern, wie Senatoren oder Kaisern vorbehalten. Ähnliches gilt auch für das Karminrot oder Scharlachrot, ein sattes Dunkelrot, welches an den Amtsträgern der katholischen Kirche auch als Kardinalsrot bezeichnet wird. Es wurde gewonnen aus den Cochenilleläusen und fand früher auch in dunkelroten Lippenstiften oder Campari Verwendung (heute synthetisch E120).

pixabay, freigegeben zur Veröffentlichung …

Indigo    

Der wohl bekannteste Farbstoff im Kontext mit Textilien ist Indigo, euch sicher bekannt als Jeansblau. Sein ursprünglicher Farbton ist ein sattes dunkelblau (in Richtung violett). Indigo kann in einer Vorstufe aus der indischen Indigopflanze oder dem Färberwaid gewonnen werden.
In einem aufwendigen Färbeprozess wird das Garn immer wieder durch das Färbebad gezogen, wobei es sich gelblich verfärbt, und anschließend mit Luftsauerstoff in Kontakt gebracht, wodurch die blaue Farbe entsteht. Die unterschiedliche Intensität erzielt man durch die Häufigkeit der Färbeprozesse. Da früher die Blaufärber in diesen Trocknungsphasen eine Pause einlegten, spricht man auch heute noch vom „blaumachen“ im Sinne von Nichtstun.


Pigmente      

Sind Farbmittel unlöslich in einem Lösungsmittel, nennen wir sie Pigmente. Diese Farbpigmente sind feste Stoffe, welche ganz fein gemahlen und dann in ein Bindemittel gegeben werden (z.B. in vielen Dispersionfarben, Buntstiften, Wachsmalkreiden, Pastellfarben oder Druckfarben). Früher wurden sie vor allem aus Mineralien und Edelsteinen gewonnen.

     

Ein Farbexperiment

Damit ihr jetzt aber auch ein schönes Farbenspiel erzeugen könnt, möchte ich euch eine Anleitung geben zur Herstellung von völlig ungiftigen Wasserfarben (Farbpigmente in einem Füllstoff). Diese sind ja sehr häufig mit Schadstoffen belastet – bei mir wird aber alles mit reinen Lebensmittelfarben erzeugt, die viel engeren Vorgaben unterliegen. Und nein, dazu braucht ihr keine Laborausrüstung, sondern nur Geräte und Chemikalien, die vermutlich jeder Haushalt beherbergt: Stärke, Backpulver, Essig, Zucker, Wasser und Lebensmittelfarben (flüssig oder fest).



Ich koche als erstes aus knapp 2 Espressotassen heißem Wasser und 4 Espressotassen Zucker in einem kleinen Töpfchen Zuckersirup (einmal aufkochen, dabei gut rühren, dann abkühlen lassen).
Dann füllt ihr jeweils 4 leicht gehäufte Esslöffel Stärke und Backpulver in eine kleine Schüssel und vermischt sie. Dazu gebt ihr dann 5 Esslöffel Essig und verrührt alles gut mit einem Schneebesen.



Es setzen zwei chemische Reaktionen ein, bei denen zum Einen das Backpulver mit Essigsäure reagiert, wobei sich Kohlendioxid und Wasser bilden. Das gasförmige Kohlendioxid sorgt für die Bildung von Blasen, das Gemisch schäumt.
Das so entstehende Wasser sorgt nach und nach dafür, dass die zunächst eher feste, bröselige Masse dann weicher und sogar flüssiger wird. Die Essigsäure acetyliert zum Anderen auch die Stärke, wodurch diese in der Lage ist, das überschüssige Wasser zu binden und so eine insgesamt eher zähflüssige Masse zu erzeugen.


Damit alle Bestandteile möglichst vollständig miteinander reagieren können, lasst die Masse mehrmals für 5 Minuten stehen und rührt sie dann wieder kräftig durch. So verhindert ihr, dass eure fertigen Farben dann am Ende in den Behältern noch weiterschäumen und überquellen. Nach ca. 30 Minuten gebt ihr dann 2 - 3 Esslöffel Zuckersirup dazu und rührt diesen wieder kräftig unter. Es soll eine Masse entstehen, die sehr zähflüssig vom Löffel abtropft.



Ich richte dann einen Eiswürfelbehälter, Teelichthüllen oder einen alten leeren Wasserfarbkasten her und befülle die einzelnen Töpfchen mit den Farben.. Ich habe hier flüssige Lebensmittelfarben zum Kuchen backen genommen; je nach gewünschter Farbintensität von haselnussgroß (pastellige Farben) oder eben mehr für kräftigere Farben. Es klappt auch gut mit Ostereierfärbetabletten (einfach 1/2 – 1 Tablette zerreiben und direkt hineingeben oder wenn ihr sie vorher anmischen wollt in ein wenig Zuckersirup geben).



Anschließend die Töpfchen zu ¾  befüllen und dann mit einem kleinen Metallspieß oder Zahnstochern umrühren, bis die Farbe vollständig durchgefärbt ist; eventuell noch Farbstoff zu geben.
Die fertigen Wasserfarben dann über Nacht an einen trockenen und kühlen Ort zum Trocknen stellen.


Mein Ergebnis sieht auf Papier so aus.


Und da das hier ja eigentlich eine Näh- und Textilaktion ist habe ich natürlich auch einen Test auf Stoff gemacht. Mir gefällt das ganz gut. Wenn ihr die Wasserfarben farbecht und waschbar machen wollt, dann streicht ihr sie einfach nach dem Bemalen mit Textil-Medium ein, heiß bügeln und ist die Farbe fixiert.


So, ich hoffe ich habe eine gute Mischung aus einigen Erklärungen und dem Selbermachen gefunden und wünsche ich viel Freude beim Mit- und Nachmachen im Spiel der Farben!

Ingrid vom Nähkäschtle

Kommentare:

  1. Danke liebe Ingrid für diesen farbenfrohen und gut erklärten Beitrag! (wenn meine Jungs noch kleiner wäre, hätte ich das sofort nachgemacht).
    Liebe Grüße
    Ines
    PS: "Acetyliert" ist ein wunderbares chemisches Wort

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  2. Das ist ein schöner Beitrag. Schade, dass die Kinder schon erwachsen sind und der Bedarf an Wasserfarben gedeckt ist. Liebe Grüße Ulla

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  3. Hallo Ingrid,
    das ist ja mal super interessant! D.h. ich könnte mit den selbst zusammengemischten Farben auch auf Stoff malen, wenn ich es anschließend mit Textil-Medium bestreiche? Könnte ich denn auch normale Wasserfarben für den Stoff nehmen und sie mit dem Textil-Medium bestreichen? Auf jeden Fall ist doch das Selbermischen der Farben toll.
    Viele Grüße und Danke für diese tollen Tipps,
    Martina

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  4. Es kommt noch auf den Stoff an, da auf die Beschreibung beim Textilmedium achten. Lg Ingrid

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  6. Liebe Ingrid,
    was für ein spannender und informativer Post. Danke, dass Du Farbenspiel so Bereich erst!

    LG
    Julia

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  7. Liebe Ingrid,

    Deine Erklärungen zu den farben sind sehr ausführlich und gut gemacht. Als Biologin waren mir die Sachen nicht ganz neu, aber gerade die Unterscheidung von gelösten Farben zu Pigmenten fand ich interessant. Deine Idee mit den selbstgemachten Farben ist wirklich toll.

    LG Mareike

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