Sonntag, 22. August 2021

Auf einen Kaffee mit.... Nico @nicos_bug_and_bee


Herzlich Willkommen! Ich freue mich Dich als Gast zu einem virtuellen Kaffeeklatsch bei September's Quiltdelight zu begrüßen. 

•Was darf's denn sein? Kaffee oder Tee? Mit Milch und Zucker? Stell dich uns bitte einmal vor! 

 Ui, Kaffee, danke, schwarz, intravenös: Ich bin eine echte Kaffeetante. Allein der Geruch mach mich schon glücklich. Ich freue mich sehr über Deine Einladung, liebe Judith, danke schön! Also, ich bin Nico Laudenberg, 52 Jahre alt und wohne seit Ende 2015 mit meiner Familie in Ann Arbor, Michigan. Mit einem guten halben Jahr Unterbrechung: 2019 sind wir nach Valencia, Spanien, gezogen und haben es extrem genossen, dort mitten in der Altstadt zu wohnen und das pralle spanische Leben Tag und Nacht aufzusaugen. Familie beutetet mein Mann, unsere drei Töchter, 18, 16 und 12 Jahre alt, eine Lieblingskatze und ein kleiner Lieblingskater. Von Haus aus bin ich Psychologin, und außerdem ziemlich dem Quilten verfallen. Hier in Amerika war es von Anfang an mein erklärtes Ziel, soviel ‚Quilt‘ mitzunehmen, wie nur möglich. Ich reise zu Workshops, Ausstellungen, Shows und Museen kreuz und quer durch das Land, sammle alte Quilt(top)s und inhaliere buchstäblich alles, was dieses an Quiltiness reiche Land zu bieten hat. Anfangs wirklich alles, mit der Zeit hat sich dann herauskristallisiert, was mich besonders anspricht, nämlich dass das Quilten mehr ist als Stoffdecken zu nähen. Die Verbindung zwischen dem Quilten und der Seele berührt mich naturgemäß, besonders in Form von MemoryQuilts und alten Stoffen, aber auch die Geschichte und Geschichten und die sozialpolitischen Aspekte dieser Kunstform faszinieren mich endlos. Wenn ich gerade nicht vom Quilten rede, mache ich leidenschaftlich gerne Roadtrips, hier mit dem Auto, in Europa mit unserem Kastenwagen-Wohnmobil, lese oder fahre Mountainbike. Ach ja, und ich habe noch ein anderes Hobby: Ich sammle Stoff ;o) 










 

•Magst Du erzählen, woher/ wie wir uns kennen? 

 

Du bist tatsächlich ein Mitglied des winzigen Clubs deutscher Quilterinnen, die ich in echt, live und in Farbe kenne. Wir haben uns 2015 immer mal wieder bei Dorthe Niemann im lalala Patchworkladen getroffen, als Du schon versierte Näherin warst, während ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Stoffgeschäft von innen gesehen habe und davon überzeugt war, dass Quilts immer altrosé-jägergrün-ollbraun sind. Kurz darauf sind wir umgezogen, aber soziale Medien und Dein Blog kennen ja keine Grenzen, dafür bin ich wirklich sehr dankbar.  


•Wie fühlt es sich an so mitten in meinem virtuellen Nähzimmer zu sitzen? Gefällt es dir hier? Wie bist du selbst zum Patchworken/ Quilten gekommen? 

 Oh, ich sitze soooo gerne in Nähzimmern, in echten und virtuellen! Bei Dir gefällt mir die nette Gesellschaft so vieler deutscher Quilterinnen besonders gut. Ich bin zwar spät zum Quilten gekommen, aber dafür umso intensiver, würde ich sagen. Wie bei wohl vielen, war es auch bei mir so, dass ich schon immer alles an Bastel- und Malmöglichkeiten ausprobiert habe. Also, fast, aber ich habe Glas, Steine, Holz und Seide bemalt, getöpfert, gehäkelt, exzessiv gestrickt, gestickt, mit Fimo gebastelt…. nur genäht habe ich nicht. Das haben meine Omas und meine Mutter, die alle drei sagenhaft gut Kleidung nähen konnten und im Fall meiner Oma sogar den Lebensunterhalt der Familie in den (Nach-)Kriegsjahren damit verdient haben. Mir wollten sie das nicht beibringen, sie waren alle ziemlich emanzipiert und wollten, dass ich was Gescheites lerne. Schade eigentlich. Aber als ich mich dann zufällig in Dorthes Laden verirrt habe, war’s aus: Als hätte ich nur darauf gewartet. Und mir war buchstäblich in der Sekunde klar, dass ich gerade eben meiner Leidenschaft über den Weg gelaufen war. Die Farben! Und Stoff fühlt sich so schön an; und lässt sich nicht wie Malfarben mischen, also muss man ganz viele haben. Ich bin damals sofort zur Kasse gegangen und habe mich für den nächstbesten Nähkurs angemeldet. Mit dem Patchwork wollte ich erstmal nichts zu tun haben, aber das hat sich innerhalb weniger Wochen geändert, als ich begriffen habe, was das eigentlich ist und wie wunderschön es aussieht. Und dann habe ich noch vor unserem Umzug einen Sampler-Kurs mit Biggi Irion gemacht und gleich eine Menge gelernt, weil der Kurs über viele Wochen ging. 


Hier in Michigan genieße ich natürlich die endlosen Möglichkeiten, die sich uns Quilterinnen bieten. Als wir damals hier ankamen, habe ich mich todesmutig bei zwei ‚Quiltgilden‘ angemeldet, ohne die geringste Ahnung zu haben, was das eigentlich genau ist. Heute mache ich ziemlich aktiv in der Organisation unserer traditionellen Gilde mit, treffe mich einmal im Monat mit unserer AnnArbor-Gruppe der Modern Quilt Guild und freue mich so sehr über die vielen tollen Frauen, die ich kennenlernen und die guten Freundinnen, die ich finden durfte. Ich habe mittlerweile über hundert Workshops und Veranstaltungen besucht, und von mehr als 80 verschiedenen QuiltlehrerInnen gelernt. Meine UFO-Sammlung wird mich bis ans Ende meiner Tage beschäftigen. Oder länger! Im Moment beende ich gerade eine Ausbildung bei Shannon Brinkley zur zertifizierten Quiltlehrerin, dann darf ich offiziell ihre Methoden in Workshops weitergeben, darauf freue ich mich schon sehr! 


 

•Inspirationen, das A und O der kreativen Entfaltung und Entwicklung... woher nimmst Du die Inspirationen für Deine Werke?

 

Ich glaube, am meisten inspirieren mich ganz banal Stoffe und ihre Farben. Manchmal sehe ich Stoff in einer Farbe und weiß, dass ich daraus einen Quilt für eine ganz bestimmte Person machen muss, ohne richtig zu verstehen, warum das so ist. Oder ich sehe einfach zwei Farben, die unbedingt zusammen sein müssen (und dann kommen immer, immer noch viel mehr dazu, Minimalismus kann ich nicht, auch wenn ich ihn super gerne betrachte). Und ich habe circa 8475 Fantasillionen Screenshots in meinem Handy von tollen Quilts, die ich irgendwo sehe und auch gerne machen möchte. Dazu muss ich nur ungefähr 400 Jahre alt werden. Wenn ich mit Stoffen arbeite, die eine Geschichte haben (also zum Beispiel Kleidung für Memoryquilts), dann brauche ich Zeit. Am besten ist es, wenn der Stoffhaufen irgendwo liegt und mich ignoriert. Irgendwann habe ich dann (meistens abends im Bett) die Idee, was ich daraus mache. 

•Findet man Dich neben Deinen kreativen Ergüssen an der Nähmaschine auch noch anderswo? 

Ich treibe mich als @nicos_bug_and_bee auf Instagram herum und ich versuche, meine Liebe für Michigan und das Quilten in meinem Blog www.bug-and-bee.de mitzuteilen, wenn nicht gerade wieder zu viel Leben passiert. Der Name hat nichts mit Insekten zu tun, sondern ‚Bug‘ steht im Englischen dafür, dass man sich mit etwas angesteckt hat, zum Beispiel mit dem Quiltvirus. Und ‚Bee‘ wie in ‚Quilting-Bee', denn die soziale, zwischenmenschliche Seite des Quiltens, ob jetzt bei den Frauen einer Quiltrunde vor hundert Jahren oder wir heute auf Instagram, bedeutet für mich unheimlich viel. 

•Jede Patchworkelfe, welche ich bisher getroffen hatte, hatte mindestens ein Lieblings- Tool welches für sie aus ihrem Nähalltag nicht mehr wegzudenken war. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das bei Dir anders sein sollte….. 

Hm, ich vergöttere meine Nähmaschine, weil sie so zuverlässig einen so guten Job macht, mich fasziniert die Technik. Und meine zweiseitige Nahttrenner-Stiletto-Kombi, die mir meine Freundin Roberta geschenkt hat, ist mir heilig. Ihr Nachbar macht als Hobby Kunststoff-Sachen, und sie hat ihn gefragt, ob er nicht Griffe für sie machen könnte. Hat er gemacht, und wir freuen uns an unseren Unikaten.


•Wo wir schon davon sprechen... Neben dem Lieblingstool, haben sich über die Jahre auch Lieblingsmuster entwickelt, welche du immer wieder gerne nähst? 

Eigentlich nicht, ich habe immer noch das Gefühl, in der Findungsphase zu sein. Irgendwie ist alles so toll! Gemessen an der Intensität, mit der ich mich dem Thema widme, nähe ich ziemlich wenig, da ich die Zeit, die ich neben der ganzen Umzieherei habe, lieber dem Entdecken von Neuem widme. Nähen kann ich dann ja später. Ich finde Logcabins genial, Sterne und obwohl ich eigentlich gar keine Dreiecke mag, nähe ich immer wieder mal was mit HSTs, weil man mit ihnen mit wenig Aufwand unglaublich viel machen kann. Es fällt mir super schwer, mich an Vorgaben zu halten. Ich bin zwar auch nicht wirklich mutig genug für richtiges Improvisieren, aber Anleitungen kann ich nur eine Weile lang folgen. Ich habe mir Anfang des Jahres einen Quilt-Along für meine Gilde ausgedacht, weil es mir so leid tat, dass sich besonders die älteren Damen nicht in echt treffen konnten. Dafür habe ich eine Anleitung von Elizabeth Hartman ausgesucht und den Quilt fünfmal genäht (weil ich dachte, ich müsste viele unterschiedliche Fotos als Inspiration haben), aber es nur ein einziges Mal geschafft, mich tatsächlich an die Anweisung zu halten. Ich glaube, am besten gefällt es mir, klassische Muster ein kleines bisschen schräg zu machen - so wie wonky stars, improv log cabins. Also Regeln, die mir ein erstmal Halt geben, die ich dann aber nach Belieben über den Haufen werden kann. Und am allerliebsten mit Stoffresten :o) 

•Zum Schluss bitte ich Dich um eine Nähweisheit für die virtuelle Glückskeksproduktion…. 

Oh ja, mein absoluter Lieblingsratschlag: „Sag nie etwas zu dir selbst, was du nicht auch deiner Freundin sagen würdest.“ Und zwar beim Nähen wie im richtigen Leben! Wir (Frauen) sind oft sehr hart mit uns selbst, das wurmt mich. Warum machen wir uns so gnaden-los nieder? Wenn wir mit Freundinnen reden, sind wir viel positiver und konstruktiver. Wir sagen nicht: „Boar, siehst du heute echt schrecklich aus, dein Bauch ist viel zu dick, deine Haare liegen nicht und deine Nähte sind so krumm und schief, das wird nie was“. Der Bauch und die Haare unserer Freundinnen sind uns völlig egal, wir bewerten sie nicht nach Äußerlichkeiten, sondern nehmen und lieben sie, wie sie sind, und wir sagen ihnen: „Kein Mensch sieht, dass die Ecken nicht perfekt sind, dein Quilt sieht toll aus.“ Ich wünschte, wir würden grundsätzlich so mit uns selbst reden. Dazu passt mein wichtigstes Quiltmaß - Die Pferderegel: „Wenn man auf einem galoppierenden Pferd an dem Quilt vorbeireitet und alles fein aussieht, dann ist er gut. Entspann dich und genieß dein Hobby!


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